Corona-Krise: Sell in May? – Bankhaus Krentschker Marktkommentar

„Sell in may and go away“ ist eine von vielen Börsenweisheiten. Viele sind so alt wie die Börsen selbst. „Sell in may“ war in der Vergangenheit vor allem der Urlaubssaison geschuldet, da die Investoren früher noch nicht die technischen Möglichkeiten hatten, im Sommerurlaub selbst auf ihr Depot zugreifen zu können, sondern ihren Broker anrufen mussten, was aus der jeweiligen Urlaubsdestination damals nicht so leicht war. Heutzutage hingegen ist das technisch, etwa über Smartphone oder Tablet, kein Problem mehr. Ob man heuer aufgrund der Gesundheits- und Wirtschaftskrise gut beraten wäre, im Mai an der Börse auszusteigen und im September wieder einzusteigen, haben die Experten der Bankhaus Krentschker & Co. AG analysiert.
 
Vorgriff auf reale Entwicklung
Der Ausbreitung des Covid 19 Erregers folgte eine extrem starke Korrektur an der Börse, die den zu erwartenden realwirtschaftlichen Entwicklungen vorgriff. Noch bevor die ersten Firmen ihre negativen Unternehmensergebnisse für das erste Quartal 2020 zu präsentieren begannen, setzten an den internationalen Börsen wieder Erholungen bei S&P 500, Eurostoxx 50 und Co ein.
Der Grund dafür ist simpel: die Börse greift den Entwicklungen in der Realwirtschaft vor. Es werden Prognosen und keine tatsächlichen Ereignisse gehandelt. Als sich das Virus Ende Februar/Anfang März auszubreiten begann, war der Einbruch in der Wirtschaft aufgrund des weltweiten Lockdowns zu befürchten und die Börse griff dieser Entwicklung durch Kurskorrekturen vor. Allerdings wurden bisher – und werden vermutlich noch weitere – massive Hilfsprogramme der Notenbanken und Staaten auf den Weg gebracht, um die Wirtschaft zu stützen bzw. deren Einbruch so gut es geht abzufedern. Damit ist auch der oft bemühte Vergleich zu den 1930er Jahren, als viele Staaten gar nicht die Mittel für Hilfsprogramme hatten, wackelig. All diese Faktoren bergen das Potenzial, das sich die Märkte in den kommenden Monaten weiter erholen könnten, ein Grund mehr also, so mancher Börsenregel heutzutage nicht mehr allzu viel Beachtung beizumessen.
Betrachtet man die historischen Wertentwicklungen des MSCI World der letzten 15 Jahre, zeigt sich rasch, dass der Wahrheitsgehalt dieser Börsenweisheit, im Mai zu verkaufen, heute keine Gültigkeit mehr besitzt. Die Tabelle analysiert die monatlichen Wertentwicklungen des MSCI World in den letzten 15 Jahren:


 
Tabelle: historische monatliche Wertentwicklung des MSCI World in Euro von 2005 - heute
Quelle: Bloomberg

 
Seit 2005 Jahren gab es nur 2 Phasen im Sommer (2011 und 2017), wo man sich wirklich 3 durchgehend negative Monate erspart hätte, wenn man im Mai ausgestiegen und im September wieder eingestiegen wäre. In den meisten Jahren gab es gemischte Entwicklungen. In den Jahren 2006, 2012 und 2014 hätte man überhaupt durchwegs positive Wertentwicklungen verpasst, wenn man über die Sommermonate ausgestiegen wäre.

Manche Börsenweisheiten sind überholt
Das Fazit: Einige Börsenweisheiten, die früher als legitim erschienen, sind heutzutage überholt. Speziell in der Aktienveranlagung macht es nach Ansicht der Experten des Bankhauses Krentschker keinen Sinn, sich auf das richtige Timing zu verlassen, da es nicht nur sehr schwierig ist, den richtigen Ausstiegszeitpunkt zu treffen, sondern auch wieder den richtigen Einstiegszeitpunkt zu finden. Ganz im Gegenteil: Eine langfristige Veranlagung sollte das Ziel haben, bei fallenden Kursen die günstigen Niveaus zu Nachkäufen zu nutzen, um in weiterer Folge an den wieder steigenden Kursen zu profitieren. Dies bedingt neben dem langfristigen Horizont allerdings auch eine gewisse Risikobereitschaft als Anleger, der Aktien kauft.
Dazu passt eher eine weitere Börsenweisheit, die auch oft an den Börsen zu hören ist: „Sei ängstlich, wenn andere gierig sind. Sei gierig, wenn andere ängstlich sind.“ Antizyklisch zu agieren, erfordert Mut und Professionalität. Im Bankhaus Krentschker wird im Vermögensmanagement Antizyklik konsequent mit dem Modell des BalanceOne®, das den Herdentrieb vermeiden soll, umgesetzt: kaufen, wenn die Kurse fallen und verkaufen, wenn sie steigen, um das Portfolio nach der ursprünglich gewünschten Zusammensetzung auszubalancieren. BalanceOne® wurde auch in den vergangenen turbulenten Wochen erfolgreich angewendet.

 

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